Mit der Einweihung einer neuen Informationstafel an der Limperstraße hat die Stadt Recklinghausen ein sichtbares Zeichen für die Erinnerung an die ehemalige Synagoge und die jüdische Geschichte der Stadt gesetzt.
Die Tafel wurde im Rahmen des Projekts „DENK-MAL“ gemeinsam mit dem Verein für Orts- und Heimatkunde Recklinghausen installiert und informiert über das Gotteshaus, das am 9. November 1938 während der Novemberpogrome von den Nationalsozialisten in Brand gesetzt und vollständig zerstört wurde.
Bürgermeister Axel Tschersich erinnerte bei der Einweihung an die Verantwortung, die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus wachzuhalten: „Wir sind es den Mitgliedern der Jüdischen Kultusgemeinde, die von den Nationalsozialisten entrechtet, verfolgt, verschleppt und ermordet wurden, schuldig, ihre Geschichte und ihr Schicksal nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Gerade in einer Zeit, in der Antisemitismus wieder zunimmt und Ausgrenzung sowie Rassismus unsere Gesellschaft bedrohen, ist eine lebendige Erinnerungskultur wichtiger denn je.“
Anstoß für die neue Informationstafel gaben Charlotte Doil, Aaron Campos , Rojhat Hassan, Jule Metzlaff und Sophia von Schönfeldt, allesamt Schüler*innen am Gymnasium Petrinum. Sie hatten sich im Unterricht intensiv mit der NS-Zeit befasst und in diesem Rahmen auch die Gedenktafel am Finanzamt besucht. In persönlichen Briefen machten sie den Bürgermeister darauf aufmerksam, dass die bislang am ehemaligen Standort der Synagoge angebrachte Bronzetafel aus dem Jahr 1980 wegen zu großer Pflanzen nicht nur schlecht sichtbar sei. Die Gestaltung und die Informationen würden außerdem der historischen Bedeutung der Gedenkstelle nicht gerecht. Die Schüler*innen wünschten sich zudem eine anschauliche bildliche Darstellung der Synagoge.
Der Bürgermeister nahm die Kritik und Anregungen der Petriner*innen auf. Der Grünbereich an der Limperstraße wurde auf seine Initiative hin und in Abstimmung mit dem Finanzamt durch die Kommunalen Servicebetriebe Recklinghausen (KSR) attraktiv und angemessen umgestaltet. Im Zuge der Aufwertung des historisch für die Stadt Recklinghausen wichtigen Ortes installierte der Verein für Orts- und Heimatkunde die neue Informationstafel.
Mit seinem Projekt „DENK-MAL“ macht der Verein bereits seit 2006 auf die historische, architektonische, künstlerische und funktionale Bedeutung prägender Gebäude und Orte im Stadtgebiet aufmerksam. Die erste Tafel wurde an der Engelsburg installiert. Inzwischen ist die Zahl der DENK-MAL-Tafeln in der Altstadt und vielen Stadtteilen auf über 60 gestiegen. Darunter sind neben denkmalgeschützten Häusern auch historische Orte.
Die ehemalige Synagoge, die sich in unmittelbarer Nähe des damaligen Polizeipräsidiums und nur wenige Meter vom Feuerwehrdepot befand, steht bis heute symbolisch für eines der dunkelsten Kapitel der Recklinghäuser Stadtgeschichte. Die neue Informationstafel ergänzt den Erinnerungsort um historische Hintergründe und macht die Geschichte des Gebäudes für Passantinnen und Passanten besser zugänglich. Damit entspricht die Konzeption den Anregungen der Petrinum-Schüler, die auf Bürgermeister Axel Tschersich zugegangen waren.
Der Bürgermeister dankte den Schüler*innen für Ihr Engagement und dem Verein für Orts- und Heimatkunde für die Umsetzung des Projektes: „Mit der neuen DENK-MAL-Tafel wird die Erinnerung an die ehemalige Synagoge und an die jüdische Geschichte unserer Stadt dauerhaft gestärkt. Dieses Engagement ist ein wichtiger Beitrag für unsere Erinnerungskultur und ein klares Zeichen gegen das Vergessen. Der Verein leistet seit vielen Jahren hervorragende Arbeit, wenn es darum geht, die Geschichte unserer Stadt der Bürgerschaft näher zu bringen.“