Altnazis am Hittorf-Gymnasium: Veranstaltung blickt auf NS-Vergangenheit und das lange Schweigen.
Die NS-Vergangenheit des Hittorf-Gymnasiums Recklinghausen und der Umgang mit ehemaligen Nationalsozialisten nach 1945 stehen im Mittelpunkt einer Veranstaltung am Dienstag, 23. Juni, in der Altstadtschmiede. Unter dem Titel „Die Altnazis am Hittorf-Gymnasium Recklinghausen und das Schweigen der Anderen“ geht es um Lehrer, Funktionäre und Netzwerke, die zum Teil bis in die 1980er-Jahre hinein an der Schule wirkten.
Im Zentrum steht unter anderem Friedrich Neugebauer. Er begann nach dem Krieg als degradierter Studienrat am Hittorf-Gymnasium, leitete später auch die Theater-AG und war bis 1983 nebenberuflich an der Schule tätig. Erst vor wenigen Jahren stellten seine Kinder umfangreiches Material zur Verfügung, das seine Karriere in der NSDAP, seinen Aufstieg an der NS-Ordensburg Vogelsang und seine Tätigkeit im Reichskommissariat Ostland in Riga dokumentiert. Die Unterlagen zeigen auch, wie Neugebauer im Entnazifizierungsverfahren Teile seiner Vergangenheit verschwieg oder falsch darstellte.
Die Veranstaltung fragt dabei nicht nur nach einzelnen Biografien, sondern auch nach dem Umfeld: Warum wurde über diese Vergangenheit so lange geschwiegen? Welche Rolle spielten Kollegium, Eltern, Schüler und Stadtgesellschaft? Und wie kann Aufarbeitung heute gelingen?
Nach der Begrüßung und einem Grußwort des Schirmherrn, Bürgermeister Axel Tschersich, berichtet Simone Kohs vom Hittorf-Gymnasium über aktuelle Aktivitäten der Schule zur Aufarbeitung der NS-Zeit. Prof. Dr. Erich Behrendt, Soziologe und Abiturient des Jahrgangs 1977, spricht über die Gleichschaltung der damaligen Oberrealschule Hittorf ab 1933 und die Schule als Sammelbecken für Altnazis nach 1945. Stefan Wunsch, wissenschaftlicher Leiter von Vogelsang IP, beleuchtet Neugebauers Tätigkeit an der NS-Ordensburg Vogelsang. Klaus Burghardt, ehemaliger Lehrer des Hittorf-Gymnasiums, berichtet über Neugebauers Auftreten im Schulalltag nach 1945. Anschließend ist eine Diskussion vorgesehen.
Veranstalter ist die Arbeitsgemeinschaft zur Aufarbeitung der NS-Vergangenheit am Hittorf-Gymnasium Recklinghausen, unterstützt vom „Holzwurm“, der Zeitschrift für Recklinghausen von 1976 bis 1989, sowie vom Institut für Stadtgeschichte Recklinghausen.
Termin: Dienstag, 23. Juni 2026, 19.30 bis ca. 21 Uhr, Altstadtschmiede Recklinghausen, Kellerstraße 10. Anmeldungen sind formlos bis zum 17. Juni per Mail an hebbert@holzwurm-recklinghausen.de möglich.